Vulkane und ihre Eigenarten…

Um 2:00 Uhr (also der Zeit, zu der ich mich normalerweise schlafen lege) klingelten heute früh zeitgleich der iPhone-Wecker und ein verschlafener Rezeptionist per Haustelefon, um mich an meine Tour zum Mount Batur zu erinnern. Nach einer einstündigen Fahrt im VW-Kübelwagen (tolle Karre – nur für meine Begriffe viel zu langsam) waren wir am Fuß des Vulkans angekommen, wo ich von Gede – einem Guide der „Vulcano Association“ – in Empfang genommen wurde. Gede ist in einem zweitausend Seelen-Dorf in der Nähe aufgewachsen, wird in drei Tagen 25 Jahre alt und besteigt den Vulkan seit nunmehr 20 Jahren.

Und ich schwöre: Er hat nicht ein einziges Mal gekeucht oder auch nur schwer geatmet. Ganz im Gegensatz zu mir… Der erste Teil des insgesamt 6 km langen Weges ist noch ganz human: Es geht stetig aufwärts und mehr als stramme Waden werden eigentlich nicht benötigt. Nach spätestens 2 Kilometern beginnt der richtige „Spaß“ und man kämpft sich auf Lava-Gesteinsbrocken hoch, die teilweise mehr als einen halben Meter hoch sind. Ich muss gestehen, dass ich kurz vor dem Ziel gern umgekehrt wäre. Zumal es sich gegen Ende des Aufstiegs auch extrem zuzog, wir in Wolken vollends eingehüllt waren und die Chance auf einen atemberaubenden Sonnenaufgang damit sekündlich kleiner wurde.

Gede baute mich wieder auf mit den Worten „…you’re not fast, but strong“ und eine gefühlte Stunde später war es auf einmal geschafft. Plötzlich gab es keine Lavasteine mehr, kein Gestrüpp, an dem ich mich festhalten konnte – nur noch ebene Fläche. Ich war nach 2 Stunden (andere brauchen 1 Stunde und 40 Minuten) angekommen. Zur Belohnung gab es ein warmes Bananen-Sandwich und obwohl ich diese Frucht meistens richtig widerlich finde, war dieses Frühstück eines der Leckersten meines Lebens.

Waren wir vorher noch zu dritt (2 Engländer und ich) trudelten nach und nach weitere „Sunrise-Gaffer“ aus aller Herren Länder ein: Schätzungsweise 30 Personen aus Amerika, Frankreich, Russland und der Schweiz tummelten sich kurz vor Sonnenaufgang um 6:20 Uhr am Rande des Kraters, zückten die Kameras, stellten die Stative auf, schauten nahezu sekündlich auf die Uhr… und wurden doch enttäuscht. Keine Fernsicht bis Lombok oder Java, kein Blick ‚runter auf den mit 6 km Länge größten See von Bali, kein orange-rotes Farbenspektakel.

Und? Soll ich Euch ‚was sagen? Es war trotzdem (oder gerade deswegen?) toll und ich bin stolz wie Oskar, weitergelaufen zu sein obwohl mir zwischendurch alle Knochen – speziell mein kaputtes Knie – weh getan haben. Der Abstieg war entgegen meiner Befürchtung leichter, als vorher gedacht obwohl ich mich einmal wegen kleiner, rollender Steine heftig auf den Hintern gesetzt habe. Extrem spannend, die Umgebung dann noch einmal bei Tageslicht zu sehen während vorher ausschließlich der Lichtkegel meiner Taschenlampe etwas von der Umgebung preisgegeben hatte. So konnten dann doch noch ein paar Fotos geschossen werden während Gede mir von dem jährlich stattfinden Opferritual seines Dorfes erzählte:

Zur Besänftigung der bösen Geister (die natürlich im Krater wohnen) findet einmal jährlich ein Tempelfest statt. Der Tempel befindet sich auf halbem Weg zum Gipfel und wird einzig und allein für dieses Fest genutzt. Zweitausend Menschen pilgern dann an den Rand des Kraters und opfern Gemüse, Früchte und auch lebendes Vieh dem im Krater lebenden Dämonen. So verlieren pro Jahr eine Kuh, ein knappes Dutzend Schweine sowie diverse Hühner und Gänse ihr Leben, wenn sie über den Rand des Vulkans geschubst werden.

Vielleicht hätte die isländische Pleitebank im Sommer letzten Jahres auch ein paar ihrer Manager opfern sollen – eventuell hätten wir dann jetzt nicht dieses Aschewolken-Problem…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.