Skybridge – ganz oben

Und wieder hat man mich belogen. Die Stadtväter sollten sich was schämen und Kuala Lumpur dringend umbenennen. Zur Auswahl stehen Städtenamen wie z.B. Münchhausen oder – wenn es unbedingt zwei Teile sein sollen – Pin Occhio. Die Skybridge hat nämlich gar keinen Glasboden… Trotzdem ist der Besuch interessant, auch wenn der spannende Part nur 10 Minuten dauert.

Bevor man ‚rauf darf, muss man sich in einem kleinen Kino einen 7-minütigen Selbstbeweihräucherungs-Film von Petronas angucken – denen gehört die Bude nämlich und sie sind scheinbar mächtig stolz darauf. Im Film erfährt man, wie toll Petronas unsere kleine Erde schröpft, um den Menschen Gas und Benzin gegen Bares liefern zu können. Aber nicht, dass Ihr denkt, die würden die ganze Kohle nur für sich behalten. Nee – die stecken ganz viel Geld in die Subventionierung von Schulen und Universitäten damit es möglichst bald neue Malaien gibt, die sich weitere lukrative Betätigungsfelder für Petronas ausdenken können. Fast hätte ich am Ende des Films geklatscht…

Anschließend geht es im Entenmarsch zur Sicherheits-Kontrolle, wo mitgebrachte Handys, Kameras und Taschen durchleuchtet werden. Wie am Flughafen, nur dass es dort ja diese blöde Flüssigkeits-Verordnung gibt, die eine Mitnahme von Behältnissen größer 100 ml unter Strafe stellt. Also durfte ich meine Wasserflasche mit immerhin noch einem knappen halben Liter Inhalt behalten, musste aber schwören, damit keinen Blödsinn anzustellen. Hab‘ ich auch nicht. Ehrlich!

Dann endlich geht es im Fahrstuhl nach oben und jetzt muss ich doch mal ein kleines bisschen mosern: Den hätte man doch wirklich außen am Gebäude anbringen können. Mit Rundum-Verglasung und so. Erstens würde man dann mehr von der atemberaubenden Geschwindigkeit wahrnehmen und zweitens ist es immer ganz lustig, das Getue mit den unterdrückten Angstschreien (meistens von Weibchen) mitsamt beruhigendem Geflüster (meistens von Männchen) zu beobachten.

Oben angekommen wird man ungefähr zum 15ten Mal willkommen geheißen (selbstredend immer im Namen von – na, wem wohl? Petronas natürlich!) und darf sich dann 10 Minuten wild knipsend vergnügen. Die meisten machen das übrigens so: Mutti steht vor dem Fenster – Vati knipst. Dann stellt sich Vati for das Fenster und Mutti knipst (selbstverständlich unter ausführlichen Regie-Anweisungen von Vati weil Mutti ja nicht weiß, wie die Knipse zu bedienen ist). Dabei scheint die oberste – mir völlig unverständliche – Regel zu sein, den Blitz unter gar keinen Umständen zu deaktivieren. Wenn Mutti schlau ist, fragt sie noch wildfremde Mitreisende, ob man nicht ein Foto von ihr und Vati machen könnte. Vati stellt derartige Fragen nicht. Denn der hat ja auch Angst um seinen wild vor sich hinblitzenden Knips-Apparat…

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