Kultur pur auf Rhodos

Wer die griechischen Inseln bereist und neben Partymeile, Strand und Pool-Landschaft nur noch den Speisesaal seines Hotels von innen sieht, ist selber schuld: Wer sich auch nur ein bisschen für Kultur interessiert, kommt auf Rhodos ganz auf seine Kosten. Neben Streifzügen durch die kleinen Gassen der historischen Altstadt, die von einer mehr als vier Kilometer langen Befestigungsmauer umschlossen ist und als UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde, gehörten die Akropolis von Lindos, der Großmeisterpalast des Johanniterordens, die Ausgrabungsstätte von Kamiros und die Ruinen von Kritinia Castle zu unserem Ausflugsprogramm und wir können jedem Inselbesucher nur wärmstens ans Herz legen, zumindest einen Tag lang mit einem Mietwagen die Insel zu erkunden.

Um den Großmeisterpalast zu besuchen, brauchten wir keine Autoschlüssel, sondern nur unsere Geldbörse, um das Eintrittsgeld in Höhe von sechs Euro pro Erwachsenen zu zahlen. Hier baute der Johanniterorden, der Anfang des 14. Jahrhunderts Rhodos von den Arabern erobert hatte, einen Palast als Wohnsitz für den Ordensmeister und unzählige Ritter. Nach einem Erdbeben und einer Munitionsexplosion im Pulverturm war das Gebäude lange Zeit dem Verfall preisgegeben. Es wurde erst nach dem ersten Weltkrieg durch die Italiener wieder aufgebaut und dabei um das anderthalbfache vergrößert sowie außerdem um ein Stockwerk ergänzt. Heute wird der imposante Palast als Museum und für Ausstellungen zur griechischen Geschichte genutzt.

In Lindos ist man zwischenzeitlich ganz auf Touristen(-Nepp) eingestellt: Hier kostet das Mineralwasser doppelt so viel wie anderswo, das Gyros-Pita ist nicht nur teurer, sondern kleiner und an allen Ecken der in den Hang gebauten Altstadt kann man unsinnigen Nippes für die Daheimgebliebenen kaufen. Den Weg zur Akropolis kann man entweder über die steilen Gassen und unzählige Treppenstufen aus eigener Kraft erreichen, oder man mietet sich einen Esel, der für 5 Euro pro Strecke zur Akropolis hinauf „REI TEN“ wird oder zum selben Preis „HERUNDER“ kommt. Natürlich kommt so ein Ritt für uns nicht in Frage und so stehen wir eine Viertelstunde später verschwitzt und schnaufend vor dem Kassenhäuschen, wo der Kleinste kostenlosen Eintritt erhält und wir Großen jeweils 6 Euro berappen müssen.

Die Blicke herunter nach links zur Lindos Bay sowie nach rechts zur malerischen St. Pauls Bay sind interessanter als die Ruine selbst und wir verlassen das Gelände einigermaßen enttäuscht. Auf dem Weg zurück kommen wir an der kleinen Marienkirche von Lindos vorbei, die wegen ihrer Bodenmosaike aus Kieselsteinen sowie wunderschönen Wandfresken wirklich sehenswert ist. Leider darf man im Inneren nicht fotografieren – dafür sorgt ein „Drache“ in Form einer Einheimischen, die vor dem Eingang jedem Touristen auch ohne nennenswerte Fremdsprachenkenntnisse klar macht, dass ein Fotoapparat nicht genutzt werden darf und man sich außerdem züchtig zu kleiden hat.

Viel spannender als Lindos ist aus unserer Sicht die Stadt Kamiros, die vor gut 3000 Jahren gegründet wurde und in verschiedenen Epochen – jeweils von Erdbeben durchbrochen – von großer Bedeutung war. Die recht große Ausgrabungsstätte teilt sich auf in drei Zonen: Unten in der Nähe des Abhangs befand sich der große Marktplatz, darüber lag die Wohnstadt und ganz oben auf dem Hügel befand sich die Akropolis, von der aus man einen herrlichen Blick auf die Ägäis hat. Zu sehen sind unter anderem die Reste von öffentlichen Bädern aus römischer Zeit, Überreste einer wohl 600 Kubikmeter Regenwasser fassenden Zisterne, tönerne Röhren für die Wasserversorgung der Wohnstadt und eine halbrunde Rednerbühne, von der die damaligen Politiker wohl Reden an das Volk hielten. Dieser Ort bietet definitiv mehr als die Akropolis von Lindos, kostet jedoch weniger Eintritt: Mit nur vier Euro pro erwachsener Nase erhalten wir Zugang.

Komplett kostenfrei ist der Besuch von Kritinia Castle in der Nähe des gleichnamigen Dorfes, welches seinen Namen durch kretische Einwanderer (Kreta heisst auf Griechisch „Kriti“) erhalten hat. Die ehemalige Johanniter-Festung wurde Ende des 14. Jahrhunderts gebaut und wir sind, neben ein paar flinken Eidechsen, die einzigen Besucher. Von dieser recht gut erhaltenen Ruine aus kann man bis zu den Nachbarinseln Chalki und Alimia sehen.

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