ITB spannend? Eher nicht…

Freitag früh um 9:00 Uhr nutzten wir den kostenlosen ITB-Shuttle, der uns und eine große Anzahl weiterer Hotel-Gäste direkt zum Messegelände brachte. Allerschönstes Frühlingswetter mit strahlendem Sonnenschein und kurze Wege zwischen den einzelnen Hallen sorgte dafür, dass ich meine daheim vergessene Jacke (wieso muss das eigentlich immer mir passieren?!) nicht vermisst habe.

Vermisst hingegen habe ich den WOW!-Faktor auf dieser Messe – irgendwie hatte ich mir meinen ersten Besuch auf der weltweit größten Tourismusbörse aufregender vorgestellt. (Dazu muss man wissen, dass ich diverse CeBIT- und IFA-Einsätze für große Telekommunikations-Unternehmen begleitet habe – in einer Zeit, in der diese noch richtig viel Geld in Ihren Firmen-Portemonnaies hatten und jede Messe mit tüchtig Tam-Tam veranstaltet wurde).

Aber gut: Mein persönliches Ziel, mich zu neuen Hotelprojekten in Deutschland und Neuigkeiten der Anbieter zu Tagungs- und Seminarmanagement schlau zu machen, wurde erreicht – in den nächsten Monaten wird sich zeigen, was die neu gewonnenen Kontakte wert sind. Dass wir zusätzlich auch noch private Kontakte zu ein paar  Hoteliers knüpfen konnten, die uns unseren geplanten Sommer-Urlaub auf den griechischen Inseln schick machen könnten, rundete den Messebesuch ab. Mein persönliches Highlight war das Logo von Baden-Württemberg, welches mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Fan der Taschenfirma George Gina & Lucy kreiert worden sein muss – ein Schelm, wer da an eine Verletzung der Wort-/Bildmarkenrechte denkt ;-)

Am frühen Nachmittag war die ITB für uns beendet und wir verließen hungrig das Messegelände in Richtung Hotel. Die irrsinnig bunten Donuts ließen wir links liegen und kehrten stattdessen bei einem Thai-Restaurant hinter dem Wittenberg-Platz ein, in dem laut Aushang ein Green Curry für 5,90 € inkl. Suppe oder Frühlingsrollen als verspätetes Mittagessen angeboten wurde. Derartige Preise kennen wir bei uns auf dem Land gar nicht – geschweige denn die schier unerschöpfliche Auswahl an Lokalen verschiedenster Couleur. Mit der Besitzerin unterhielten wir uns eine Weile über die politische Situation in Thailand (verwunderlich – die meisten Thais möchten nicht darüber reden) und nachdem wir überein gekommen waren, dass der König mitsamt seiner Königin noch ganz lang am Leben bleiben muss, verließen wir satt und zufrieden das Restaurant in Richtung Hotel.

Dort angekommen, übermannte uns der Schlaf und fast hätten wir den Weg aus dem Bett nicht mehr gefunden. Aber eben nur fast – ich wollte unbedingt noch zeigen, wo ich früher gewohnt hatte und so machten wir uns gegen 20:00 Uhr erneut auf den Weg: Zuerst in einen Laden, in welchem ich für 30 Euro im Sale eine warme Jacke erstand (Abends wird es empfindlich kühl – Temperaturen um den Gefrierpunkt sind nicht witzig, wenn man nur mit Pulli und einem Cardigan bekleidet ist) und dann in Richtung Savigny-Platz, in dessen Nähe ich 1996 meine erste Berliner Wohnung fand. Die kleinen Straßen in Charlottenburg sind Abends hervorragend für einen ausgedehnten Spaziergang geschaffen: Viele Fenster hinter aufwendigen Stuck-Fassaden sind erleuchtet und wunderschön anzuschauen, mit Marmor verkleidete Hausein- und Treppenaufgänge sind zu bestaunen wenn man das Glück hat, jemanden beim Heimkommen beobachten zu können und die Vielfalt der kleinen Restaurants und Bars raubt uns Landeiern natürlich zusätzlich den Atem.

Hinter kleinen Schaufenster-Scheiben entdeckten wir einige Inder mit tollen Turbanen an Tischen, die sich wegen der vielen Schälchen und Schüsseln mit verschiedensten Speisen fast bogen und wir beschlossen, hier noch einen Happen zu uns zu nehmen, bevor wir ins Hotel zurückwanderten und unsere mittlerweile doch arg malträtierten Füße bei einem Bad in der Badewanne pflegten. Dem Spruch “Bier und Wein – lass das sein” können wir nichts Böses abgewinnen: Das Kingfisher-Bier beim Inder und der in der Badewanne verkostete Rotwein vertrugen sich prima, so dass wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück erfrischt die Rückreise gen Heimat antreten konnten.

2 Kommentare

  1. … und ich dachte, das Logo/Motto der B-Wler sei „Wir können alles – außer Hochdeutsch…“ (was ja auch stimmt ;-) – als Einheimische muss ich das schließlich wissen!

    • Stimmt – das hatte ich schon vergessen. Fand die Kampagne echt gut und auch sehr treffend: Ich hatte mal einen Chef, dem dieses Motto wie auf den Leib geschneidert war. Der sagte immer “Des müsse mer annerscht mache an dere Schtell’…”

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