Fünf-Sterne-Rotwein-Kater

Hotelsterne sollten – so der ursprünglich gute Gedanke – als Bewertungssymbol Auskunft über die Qualitätsmerkmale einer Herberge hinsichtlich Ausstattung und Service bieten. Blöd nur, dass es keine international einheitlichen Zertifizierungen gibt und somit die Anzahl der (manchmal sogar durch den Hotelier an sich selbst) vergebenen Sterne nur ein Anhaltspunkt sein kann.

Auf welcher Grundlage unser Hotel 5 Sterne hatte bekommen können, erschloss sich uns nicht wirklich… Gemäß der „Hotelstars Union“-Kategorie waren wir in einem Haus untergebracht, in dem Gäste laut Wikipedia „…internationale Luxushotellerie ohne Kompromisse“ ebenso erwarten konnten wie „…perfekte Dienstleistungsqualität mit sehr hohem Mitarbeitereinsatz“. Aha!

Wir bekamen ziemlich kompromisslos am vorletzten Tag des Jahres einen internationalen Brief unter der Tür hindurch geschoben, in welchem man in englischer, deutscher und italienischer Sprache darum bat, in der Lobby einen Tisch für den Silvesterabend zu reservieren. Bis dahin waren wir davon ausgegangen, dass der Aufpreis für eine obligatorische Buchung der Silvester-Gala bei unserem Reiseveranstalter automatisch zu einer Tisch-Reservierung geführt hatte.

Unsere Vermutung bestätigte sich, als wir zur gewünschten Zeit in der Lobby auftauchten und am Reservierungs-Tisch unsere Tisch-Reservierung vornahmen. Zusätzlich dazu warben die Mitarbeiter – dem perfekten Dienstleistungsgedanken des Managements folgend – mit hoher Einsatzbereitschaft darum, dass möglichst viele All Inclusive-Gäste eine oder besser gleich mehrere Flaschen Wein bzw. Sekt kaufen sollten. Dies führte zu interessanten und lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Gästen und Hotel-Mitarbeitern, an deren Ende das Zugeständnis des Managements stand, auch am Silvester-Abend das All Inclusive-Prinzip aufrecht zu erhalten und nur ganz besondere Spirituosen zu bepreisen.

Zur Strafe wachten wir am Neujahrsmorgen mit gehörigen Kopfweh auf. Den bekamen wir frei Haus geliefert, nachdem das Silvester-Buffet zwar sensationell gut aussah und auch schmeckte, sich aber als mengentechnisch unzureichend für die große Gästeschar erwiesen hatte. Bereits weit vor Mitternacht war auch die Sphinx aus Brotteig schon verzehrt und so gab es mangels „Grundlage“ es einen *****All Inclusive-Rotwein-Kater ;-)

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