Friedhofstourismus

Bei Wikipedia sind zum Titel dieses Blogeintrags bereits Informationen hinterlegt. Der Duden hingegen kennt den Begriff „Friedhofstourismus“ (Stand: September 2014) noch nicht. Angeregt durch die Erzählung meines Lieblings-Gatten, der vor 20 Jahren bei seiner ersten Reise nach Rhodos den Friedhof von Afantou besuchte und sich plötzlich mitten in einem Beinhaus wiederfand, dränge ich neugierig zu einem erneuten Friedhofs-Besuch, als wir während einer unserer Insel-Streifzüge an Afantou vorbeikommen.

Vorweg: Ein Beinhaus finden wir nirgendwo – offenbar gibt es noch mehr neugierige (unverschämte?) Fremde wie mich und ist dazu übergegangen, die Beinhäuser abzuschließen…

Ich mag den morbiden Charm der hier gezeigten Bilder von den Friedhöfen in Afantou und Rhodos-Stadt sehr und ich mag die Unterschiede zu unseren heimischen Totenäckern: Anstelle von dunklen oder sogar schwarzen Steinen wird hier überwiegend weißer Marmor oder heller Gußstein verwendet. Das wirkt natürlich sehr viel freundlicher und dieses Ambiente wird noch unterstützt durch ein Blütenmeer von Plastik-Rosen, -Lilien und weißichwas für -Blumen, die „in echt“ bei Mittagstemperaturen um die 40 Grad natürlich sofort die Grätsche machen würden.

Interessant ist, dass auf den Grabsteinen nur selten ein Geburtsdatum vermerkt wird – auf den Friedhöfen haben wir zu 99 Prozent Grabsteine und -platten gesehen, auf denen nur das Sterbedatum sowie das erreichte Alter eingraviert war. Für Leute, die nicht gerne nachrechnen wollen, natürlich ideal…

Und dann scheinen die Griechen richtige Trendsetter bezüglich des Antlitzes der Verstorbenen zu sein: Während man bei uns erst vor einigen Jahren ganz langsam damit begonnen hat, von Verstorbenen ein Foto in Form einer Gravur oder Plakette anzubringen, macht man das in Griechenland offenbar schon sehr viel länger.

Ein weiterer Unterschied zu unseren katholischen Gräbern ist, dass es anstelle eines Weihwasser-Behältnisses samt „Quirl“ (sorry, als ev.-luth. Getaufte habe ich die korrekte Bezeichnung nicht parat) auf den Griechischen Gräbern oftmals ein kleines Weihrauchfässchen gibt.

Und dann war da noch die ältere, schwarz gekleidete Frau auf dem Friedhof in Afantou, deren Kinder gerade das Grab säuberten, neben dem sie im eigens mitgebrachten Gartenstuhl saß und die uns von einem großen Blech ein Stück Kuchen anbot und erst zufrieden schien, als wir es – in griechisch-englischem Kauderwelsch „Danke“ murmelnd – annahmen.

1 Kommentare

  1. Wie schön!!! Ich liiieeebe Friedhöfe! Vor allem die mit Meerblick!!! Die aller-aller-aller-schönsten findest du in England und Schottland – nett gebettet liegt man da mit Blick aufs Meer.
    Sehr malerisch ist der Friedhof in Whitby in Yorkshire – der hat Bram Stoker zu seinem Roman “Dracula” inspiriert. Lauter schief stehende Grabsteinplatten mit Blick aufs Meer …
    Ansonsten ist Yorkshire aber wirklich schön – solltet ihr mal ansehen! Auch das Essen ist gut.

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