Fremde(n)Führer

Heute haben wir ein Date mit einheimischen und uns unbekannten Menschen. Um 7:00 Uhr wollen sie uns in der Hotel-Lobby abholen und deshalb müssen wir die Sache mit dem “Früh”-Stück wörtlich nehmen.

Wie kommt es, dass man sich mit völlig fremden Menschen in einer Stadt trifft, die man zum ersten Mal besucht? Ganz einfach: Auf der Suche nach einem Guide, der eine Tour durch Jakarta in Deutscher Sprache anbietet, war ich nicht fündig geworden. Englisch? Klar, gigantische Auswahl! Allerdings blöd für unseren Junior, der erst sein 1,5 Jahren Englisch-Unterricht in der Schule hat.

Über einen Kontakt zum Goethe-Institut wurde ich letztendlich fündig – und zwar gleich 4-fach: Da sich die Mitarbeiter der Instituts-Bibliothek nicht darauf einigen konnten, wer von ihnen seine Deutsch-Kenntnisse einen ganzen Tag lang an echten Touristen aus Deutschland ausprobieren darf, haben sich Riesta, Dinda, Cahya und Hary den Job und das Honorar geteilt. Und wir uns mit ihnen den Platz im Auto…

Erste Anlaufstelle des Tages ist der Taman Mini Indonesia Indah – ein Themenpark im Südosten Jakartas. Der 100 Hektar große Park stellt maßstabsgetreue Häuser aus ganz Indonesien vor, von denen die meisten jedoch leider noch geschlossen sind. Wir sind zu früh hier…

Also fährt uns Hary (der Running-Gag des heutigen Tages wird “Hary – hol’ schon mal den Wagen”) zur Istiqlal-Moschee, die die größte in Südostasien ist und mehr als 120.000 Gläubigen Platz bietet. Als Ausländer dürfen wir dort jedoch nicht allein herumlaufen – ein Guide führt durch die Moschee und die Goethe-Mädels übersetzen seine Ausführungen.

Mittagessen gibt es bei “Bakmi GM”, einer Restaurant-Kette mit langer Tradition, von der es allein in Jakarta fast 20 Filialen gibt. Hier ist es günstig, voll, wahnsinnig laut und extrem unorganisiert: Wir warten Ewigkeiten auf das Essen und haben es während der Wartezeit immer wieder mit Kellnern zu tun, die uns das bestellte Essen anderer Gäste vor die Nase stellen wollen. Das Essen schmeckt, ist aber kein Highlight. Jeder Warung auf Bali kriegt das Nasi Goreng besser hin.

Frisch gestärkt erreichen wir den Fatahillah Platz mitsamt dazugehörigem Museum, was aufgrund des christlichen Feiertages jedoch geschlossen hat. Unsere Guides haben offenbar nicht damit gerechnet, dass alle Museen und Ausstellungen geschlossen sind. Ratlosigkeit macht sich breit und wir suchen schleunigst ein kühles Plätzchen, da die Sonne erbarmungslos ist und das Quecksilber weit über 30 Grad Celsius anzeigt. Neuer Plan: Wir verlassen den Platz mit seinen interessanten, jedoch maroden Fassaden und fahren zum Sunda Kelapa.

Es handelt sich dabei um den ältesten Hafen Jakartas und dieser ist insofern interessant, weil man hier die weltweit größte noch existierende Flotte von Lastensegelschiffen vorfindet. Täglich werden Waren aller Art mit diesen (teilweise wie Seelenverkäufer aussehenden Schiffen) zwischen den südostasiatischen Inseln hin- und her-verschifft. Auch hier ist es unerträglich heiß und wir beschließen, an dieser Stelle einen Punkt zu machen und zum Hotel zurück zu fahren. Der Jetlag fordert seinen Tribut…

Eine Mütze voll Schlaf später überkommt uns der Hunger und so trifft es sich gut, dass in der Executive Lounge kostenlose Speisen und Getränke angeboten werden. Der Rotwein ist sehr lecker und die Stimmung in der (aufgrund des Feiertages verwaisten) Lounge sehr locker. Dem gelangweilten Personal zuliebe machen wir uns mit Weihnachts-Mützen ein wenig zum Affen und haben dabei eine Menge Spaß.

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