Fast lane zur Hagia Sophia

Auch am vorletzten Tag unseres Aufenthaltes waren die Warteschlangen vor den Ticket-Schaltern an der Hagia Sophia wieder ewig lang. Kein Problem für uns, denn mit den online gekauften und im Hotel ausgedruckten Tickets durften wir die „fast lane“ nutzen und einfach zum Eingang marschieren. Kostet mit 25 Türkischen Lira (knapp 9 Euro) übrigens nicht mehr und nicht weniger, als sich in die Schlange der Wartenden einzureihen und das Ticket vor Ort zu kaufen. Schont jedoch die Nerven ;-)

Im Inneren angekommen, bleibt einem erst einmal die Spucke weg und es ist mir total schleierhaft, warum die Jungs von der UNESCO bis 1985 brauchten, um dieses Gebäude in die Liste der Welterbe-Kulturstätten aufzunehmen: Wirkt die Hagia Sophia von außen eher plump und gedrungen, verändert sich dieser Eindruck total, sobald man das Hauptschiff betritt. Die mächtige Kuppel scheint zu schweben weil die riesigen Säulen, auf denen das Gewicht lastet, sich in den Seitenschiffen befinden. Der dadurch entstandene Raum wirkt gigantisch und lässt Besucher sowie schmückende Elemente unwirklich klein erscheinen.

Seit dem durch Kaiser Justinian beauftragtem Bau im Jahre 532 hatte die Hagia Sophia ein bewegtes Leben: Nach einer (nicht nur für damalige Verhältnisse) irrsinnig kurzen Bauzeit von knapp 6 Jahren bekam die Kuppel nach diversen kleinen Erdbeben Risse und stürzte 20 Jahre nach Eröffnung ein. Während der Neuerrichtung wurden die stützenden Säulen verstärkt und die Kuppel um weitere sieben Meter angehoben. Bis heute ist die dadurch erreichte Höhe von 56 Metern weltweit einzigartig – kein anderes Gebäude hat oder hatte jemals eine derart hohe Kuppel.

Nach mehr als 900 Jahren, in denen das Gebäude erst als orthodoxe, dann katholische und später erneut als orthodoxe Kirche diente, wurde die Hagia Sophia nur wenige Tage nach der Eroberung Konstantinopels zur Moschee erklärt. Bis zu ihrer Umwidmung im Jahre 1934 als Museum wurden alle christlichen Insignien entweder entfernt, zerstört, übermalt oder mit anderem Material verdeckt. Viele Dinge, wie z.B. die Glocken gingen im Laufe der Zeit verloren – manchmal jedoch gibt es unverhoffte Funde: Das größte Taufbecken der Welt (3 x 2,5 x 1,5 Meter), was noch älter als die Hagia Sophia ist und vermutlich aus einer der beiden Vorgänger-Kirchen stammt, die 360 bzw. 415 nach Christus gebaut wurden, geriet mehrere Hundert Jahre in Vergessenheit und wurde erst 2010 wieder ausgegraben und restauriert.

Apropos Restaurierung: Eigentlich ist die Hagia Sophia eine Dauerbaustelle. Im Mittelschiff gibt es riesige Gerüste und ständig wird renoviert. Ziel ist es, das Gebäude samt den bis heute erhalten gebliebenen Insignien aller Religionen dauerhaft zu erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.