Der versunkene Palast

Ein weiteres „must see“ auf unserer To Do-Liste war ein Besuch der Cisterna Basilica, die auch versunkener Palast oder türkisch Yerebatan Sarnıcı genannt wird. Cineasten, die gern Drehorte aus der Vergangenheit abklappern, kommen hier voll auf Ihre Kosten: Jackie Chan hat hier gedreht – ebenso wie Sean Connery als 007 im Film „Liebesgrüße aus Moskau“ und ich bin jetzt schon gespannt darauf, ob die Zisterne in Dan Browns Romanverfilmung „Inferno“ analog zum Buch ab 2015 ebenfalls im Kino zu sehen sein wird.

Auf jeden Fall ist dies ein magischer Ort… Besucher, die draußen vor dem Eingang noch laut schnatternd und plappernd in der Warteschlange standen, werden mit Betreten des Gebäudes auf dem Weg nach unten über die ausgetretenen 52 Treppenstufen schlagartig still und sprechen – wenn überhaupt – nur noch im Flüsterton. Leise, klassische Musik ist in dem knapp 10 Meter hohen monumentalen Bau zu hören, der über eine Grundfläche von 140 Metern Länge und 70 Metern Breite verfügt. Die Rundbogen-Decken werden getragen von insgesamt 336 Säulen, die sich in einem Abstand von jeweils knapp 5 Metern zueinander befinden. Mitte des sechsten Jahrhunderts erbaut, diente die Zisterne als Wasserspeicher für den Heiligen Palast von Konstantinopel und versorgte mit ihrem Fassungsvermögen von 100.000 Tonnen Wasser den kaiserlichen Haushalt.

Da die Osmanen fließendes Wasser gegenüber dem stehenden einer Zisterne bevorzugten, legten sie ihre eigenen Bewässerungs-Systeme an und die Zisterne geriet nach der Eroberung Istanbuls im Jahre 1453 in Vergessenheit. Erst 100 Jahre später wurde sie dank eines französischen Reisenden, der die byzantinischen Ruinen erforschte, zufällig wiederentdeckt: Petrus Gyllius beobachtete, dass das in der Nähe wohnende Volk Trinkwasser mit Hilfe von Eimern aus Brunnen holte und dass die Menschen auf diese Weise auch den ein oder anderen Fisch fingen. Durch einen dieser Brunnen stieg Gyllius mit einer Fackel hinab in die Tiefe und entdeckte die Zisterne wieder, die er in weiteren Besuchen mit einem Ruderboot vermaß und deren Säulen er katalogisierte. Auch heute kann man Fische zwischen den Säulen entdecken. Zwei dieser Säulen haben als Sockel Medusenhäupter aus Stein, um die sich etliche Legenden ranken.

Der Eintritt zu diesem verwunschenen Ort kostet 10 Türkische Lira, das sind gut investierte drei Euro fünfzig. Wer hier fotografieren möchte, sollte ein Stativ mitnehmen. Aufnahmen mit Blitz ruinieren jedes Foto da das eigentümliche Licht überhaupt nicht zur Geltung kommt. Außerdem sollte man entweder sehr früh oder spät kommen (geöffnet ist die Zisterne von 9 Uhr morgens bis 17:30 im Winter bzw. 18:30 Uhr im Sommer) weil sonst zu viele Besucher die Chance auf ein gutes Foto zunichte machen.

Fotos: yerebatan.com

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