Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!

Eigentlich hatten sich die 1-wöchigen Faschings-Ferien angeboten, eine kleine Reise in wärmere Frühlings-Gefilde zu unternehmen. Wer sich dann aber wochenlang nicht zwischen Barcelona (nur einer von uns kennt die Stadt), Lissabon (wir beide kennen die Stadt – daher eventuell langweilig?), Paris (Anfang März unter Umständen noch zu kalt?), Nizza (macht vielleicht doch eher im Sommer Sinn?) entscheiden kann, der bekommt am Ende keine günstigen Flüge mehr. Plan B muss her!

Der Junior ist bei unserer Entscheidungsfindung behilflich weil er “endlich mal wieder” seinen Cousin besuchen möchte damit er für ein paar Tage das tun kann, was man zuhause nicht darf: Nämlich stundenlang am Computer spielen, anschließend fernsehen und wieder am Computer spielen – so lange, bis die Augen viereckig sind. Plan B nimmt also Gestalt an und ein paar Mausklicks später sind zwei ITB-Eintritttskarten gebucht – auf diese Weise lässt sich sogar noch das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Am frühen Nachmittag geht es los: Das Kind wird mit dem erpressten Versprechen, es bezüglich Zubettgeh-Zeit, Fernseh-Konsum und Computerliebe nicht zu übertreiben, bei den Verwandten abgesetzt und die Autobahn gehört uns. Dank ausgezeichneter Straßenverhältnisse und eines Bleifußes sind die 455 Kilometer nach Berlin in knapp 3,5 Stunden geschafft. Natürlich nicht, ohne vorher noch einen Zwischenstop im Stadtteil Steglitz einzulegen und die wohl beste Currywurst der Welt zu bestellen. Nachdem ich einige Jahre in Berlin und Potsdam gelebt und mich während dieser Zeit aufopferungsvoll als Currywurst-Tester betätigt habe, darf ich mir ein Urteil hierzu wohl erlauben. Wer selbst testen will, klickt hier.

Wenig später beziehen wir unser Zimmer für die nächsten 2 Nächte im Pullman Schweizer Hof. Dort gab es für Statuskunden einen 20% Rabatt auf die ohnehin schon sehr günstige Prepaid-Rate und außerdem liegt das Haus strategisch günstig für Menschen, die die Sehenswürdigkeiten einer Stadt gern zu Fuß entdecken möchten. Und so geht es auch gleich los: Quer durch den Tiergarten, vorbei an Botschaften verschiedener Nationen hin zum Potsdamer Platz mit der schier unglaublichen Anzahl von außerhalb der Bürozeiten beleuchteten Fenster.

Von dort aus weiter bis zum Brandenburger Tor, vorbei am Hotel Adlon bis zum Gendarmenmarkt mit einem einsam auf seiner Geige fidelndem Straßenmusikanten, dem bestimmt genau so kalt war wie uns. Mittlerweile war es fast 22:00 Uhr, die Currywurst schon fast verdaut und der Hunger stellte sich ein. Gute Gelegenheit also, eine weitere Liste der Weltranglistenersten zu offenbaren – die des Wiener Schnitzels.

Und zwar meine ich mit Wiener Schnitzel nicht irgendeine dicke Schuhsohle aus Schweinefleisch, die mit einer grausigen Panade in der Friteuse malträtiert wurde. Nein – ich meine allerfeinstes Kalbfleisch, hauchdünn geklopft und mit einer so leckeren Panade versehen, die man auch ganz ohne Fleisch noch genießen könnte. Will man aber nicht. Stattdessen will man noch den lauwarmen Kartoffel-Salat dazu sowie ein Glas gut gekühlten Grünen Veltliner. Dieses köstliche Arrangement ist für den nicht gerade kleinen Preis von 21,90 € erhältlich, wird aber in nicht zu verachtender Größe (diesbezüglich wäre wieder der Vergleich mit einer Schuhsohle angebracht) und in einem überaus spannenden und geschichtsträchtigen Etablissement namens Lutter & Wegner serviert.

Der Heimweg wird (angesichts einer zuhause vergessenen Jacke) im Taxi zurückgelegt und wir genehmigen uns zu später Stunde noch einen Rotwein als Schlummertrunk, bevor die Augen vor lauter Müdigkeit zufallen.

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